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Was ist Athletiktraining im Fußball?

Von Phil Hernández · Zuletzt aktualisiert: 17.08.2026

Die Antwort in Kürze

Athletiktraining im Fußball entwickelt die körperlichen Grundlagen, die das Spiel fordert: Antritt und Sprint, Explosiv- und Maximalkraft, wiederholte Sprintfähigkeit und Belastbarkeit gegen Verletzungen.

Ein Topligaspieler absolviert pro Spiel mehrere hundert hochintensive Aktionen — Antritte, Abbremsungen, Sprünge, Richtungswechsel; Zahl und Frequenz sind über die letzten Jahre gestiegen und entscheiden Spiele mit (Filter et al., 2023).

Vereinstraining deckt das nicht individuell ab: Der Trainer hat 20 Spieler und 90 Minuten — er trainiert die Mannschaft, nicht dich.

Wirksames Athletiktraining ist deshalb ein eigenes System aus Krafttraining, Sprints, Plyometrie und Belastungssteuerung, 2–4 zusätzliche Einheiten pro Woche.

33 ± 11Echte Sprints pro Profispiel (Gualtieri et al., 2023)
2–4Athletik-Einheiten pro Woche
5–10 %Kontrollierte Belastungs-Progression
8–9 hSchlaf-Richtwert im Leistungsbetrieb
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Was gehört zum Athletiktraining im Fußball?

Athletiktraining ist kein Zusatz zum Fußballtraining — es ist die zweite Hälfte deiner Entwicklung. Während Vereinstraining Technik, Taktik und Spielform trainiert, entwickelt Athletiktraining den Körper, der das alles umsetzen muss. Vier Bereiche entscheiden.

Erstens: Antritt und Speed. Sprint und Explosivität sind aus unserer Scouting-Erfahrung das Kriterium Nummer eins — die Eigenschaften, die Scouts in den ersten zehn Minuten sehen. Zweitens: Explosiv- und Maximalkraft. Kraft ist der Motor hinter jedem Antritt, jedem Zweikampf, jedem Sprung. Drittens: wiederholte Sprintfähigkeit. Nicht der eine Sprint zählt, sondern der zwanzigste in Minute 85. Viertens: Verfügbarkeit — die Fähigkeit, Woche für Woche belastbar auf dem Platz zu stehen, statt verletzt zuzusehen.

Genau diese Dimensionen misst unser Athlete Check: Antritt & Speed, Explosiv- und Sprungkraft, wiederholte Sprintfähigkeit, Maximalkraft, Rumpf- und Oberkörperkraft, Verfügbarkeit. Wer seinen Status kennt, trainiert gezielt statt zufällig — was gemessen wird, wird besser.

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Wie intensiv ist ein Fußballspiel wirklich?

Die Datenlage ist eindeutig: Ein Profispiel bringt im Schnitt 33 ± 11 echte Sprints, in Spitzenspielen bis zu 68 (Gualtieri et al., 2023) — dazu über hundert Beschleunigungen und ebenso viele Abbremsungen. Zahl und Frequenz dieser hochintensiven Aktionen sind über die letzten Jahre gestiegen (Filter et al., 2023). Fußball ist kein Laufspiel mit Ball. Es ist eine Serie von Explosionen mit Pausen dazwischen.

Das verändert, was Training leisten muss. Wer nur locker läuft, trainiert die falsche Eigenschaft: Gehst du am Sonntag joggen, trainierst du, langsam zu sein. Die Schlussphase entscheidet Spiele — und wer dort körperlich einbricht, verschwindet genau dann vom Platz, wenn es zählt.

Für dein Training heißt das: Hochintensive Aktionen — Antritte, Abbremsungen, Sprünge — sind der Kern, nicht die Kür. Sie müssen gezielt, frisch und mit voller Intensität trainiert werden, nicht als müder Abschluss einer Einheit.

Fußballer im Vollsprint beim Athletiktraining
Sport Doc · Sprint & Power
Hochintensive Aktionen pro Profispiel
Beschleunigungen (> 2 m/s²)~137
Abbremsungen (> 2 m/s²)~125
Echte Sprints33 ± 11
Gesamt: hochintensive Aktionen~300

Sprints nach Gualtieri et al., 2023 · Beschleunigungen/Abbremsungen ab 2 m/s² aus aktuellen GPS-Analysen · Werte hängen stark von der gewählten Schwelle ab

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Warum reicht das Vereinstraining nicht?

Dein Trainer hat 20 Spieler und 90 Minuten. Er trainiert die Mannschaft für seine Spielidee — niemand trainiert dich. Load-Management und Ernährungsprotokolle existieren in vielen Vereinen, aber nicht individuell: generische Pläne, nicht auf den einzelnen Athleten kalibriert. Das ist das eigentliche Bottleneck.

In Nachwuchsleistungszentren sieht das anders aus: individuelle Athletikbetreuung, Datenerfassung, Belastungssteuerung. Dieses Wissen steckt hinter den Türen von NLZ und Profi-Kabinen. Wenn dein Verein kein NLZ ist, bekommst du es nicht — außer du holst es dir selbst.

Deshalb ist strukturiertes Zusatztraining der Hebel für ambitionierte Spieler zwischen 16 und 25. Nicht mehr vom Gleichen, sondern das, was fehlt: Kraft, Speed, Reaktivität, Regeneration — als System mit fester Reihenfolge, nicht als lose Übungssammlung.

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Macht Krafttraining Fußballer langsam?

Nein — falsch angewendetes Krafttraining macht langsam, richtiges Krafttraining ist der Gamechanger für Speed, Spritzigkeit, Explosivität und Power im Spiel. Das Problem ist fast nie das Krafttraining selbst, sondern die Konzeptionierung: Bodybuilding-Pläne, die für Muskelaufbau am Strand gebaut wurden, nicht für Antritte auf dem Platz.

Die Wissenschaft stützt das: Stärkere Athleten sprinten schneller, wechseln schneller die Richtung und verletzen sich seltener (Suchomel et al., 2016). Ein randomisiert-kontrollierter Vergleich bei Fußballern zeigt, dass sowohl Kraft- als auch plyometrisches Training Sprint und Beinkraft signifikant verbessern (Hasan, 2023; in der Kraftgruppe kamen isometrische Übungen zum Einsatz).

Du brauchst dafür keine Übungen, deren Namen du nicht aussprechen kannst. Es reichen die Basis-Übungen, bei denen du viel Gewicht bewegst: Kniebeuge, Kreuzheben-Varianten, Bankdrücken, Ausfallschritte — plus explosive Sprünge und Sprints. Zirkus-Parcours mit zehntausend Hürden sind Zeitverschwendung.

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Wie oft sollte ein Fußballer Athletik trainieren?

Profis kommen nach unserer Erfahrung aus dem Profibetrieb auf 9–11 Einheiten pro Woche — Mannschaftstraining plus individuelle Athletik. Das ist keine Frage des Willens, sondern des Systems. Für ambitionierte Spieler neben Schule oder Arbeit sind 2–4 gezielte Athletik-Einheiten pro Woche realistisch und wirksam.

Die Struktur folgt festen Regeln. Explosives immer zuerst: Sprünge, Plyometrie und Medizinball-Würfe stehen am Anfang der Einheit — Explosivübungen am Ende sind keine Explosivübungen mehr. Danach Kraft, danach alles andere. Progression läuft in Mesozyklen von 3–5 Wochen mit anschließendem Deload; in der Saison ersetzt der Spielplan den extra Deload.

Die Richtwerte pro Qualität unterscheiden sich deutlich — die Tabelle zeigt das Framework, mit dem wir seit Jahren Athleten entwickeln:

Trainingsqualitäten im Vergleich — Richtwerte aus der poemsports-Methodik
QualitätSätze × WiederholungenIntensitätPlatz in der Einheit
Explosivität / Plyometrie2–3 × 5Immer 100 % — Sprünge unter voller Power sind wertlosImmer zuerst
Maximalkraft2–3 × 2–4RPE 9–10 (schwer)Nach dem Explosiv-Block
Muskelaufbau~3 × 6–82–3 Wiederholungen ReserveMittelteil
Sprint / SpeedProgression-Sprints, z. B. 60 m: 30 m Aufbau, dann volle Beschleunigung70–80 % → ~110 %Frisch, nach dem Aufwärmen
Ausdauer / RSAIntervalle, spielnah oder am RadHochintensivEigene Einheit oder Abschluss
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Wie steigerst du Belastung, ohne dich zu verletzen?

Unser Kernprinzip heißt: belastbarer durch Belastung. Belastbarkeit ist nur durch Belastung trainierbar — es gibt keine Wunderübungen und keine Präventions-Gimmicks. Es gibt keine bessere Verletzungsprävention, als belastbar genug zu sein für das, wobei man sich verletzt.

Die Dosis entscheidet. Wer bei 80 Prozent seiner Kapazität trainiert und dauerhaft dort bleibt, entwickelt sich nicht weiter. Der Reiz kommt aus kontrollierter Überlastung: 5–10 Prozent mehr als zuletzt, dann prüfen, wie der Körper es verkraftet. Sprunghafte Laststeigerungen sind dagegen das Risiko — die Forschung findet Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen schlecht gesteuerten Lastsprüngen und Verletzungsrisiko im Profifußball — einen sicheren Schwellenwert gibt die Datenlage allerdings nicht her (Jiang et al., 2022).

Und die Gegenrichtung ist genauso gefährlich: Unterlastung ist schlimmer als Überlastung. Wer dauerhaft weniger macht, als er verkraften muss, verliert sein Niveau — und geht dann unvorbereitet in die Belastungsspitzen des Spiels. Schonung schützt nicht. Sie macht schwächer.

So sieht die Belastungsverteilung in einer normalen Spielwoche aus — das Framework, nach dem auch Profi-Staffs planen:

Die Spielwoche — Belastung nach Matchday-System (poemsports-Methodik)
TagBelastungInhalt
MD+1 (Tag nach dem Spiel)Sehr niedrigRegeneration — lockeres Bewegen, Schlaf, Ernährung
MD-4 bis MD-3HochIntensive Athletik: Kraft, Speed, Plyometrie — hier liegt der Trainingsreiz
MD-2MittelQualität und Technik, keine neuen Ermüdungsspitzen
MD-1 (Tag vor dem Spiel)Sehr niedrigKurze Aktivierung — wenige explosive Reize, kein Umfang
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Welche Rolle spielen Schlaf und Ernährung?

Regeneration ist kein Luxus, sondern die zweite Hälfte des Trainingsreizes: Recovery ist nicht das, was du machst, wenn nichts mehr geht — Recovery ist das, was mehr überhaupt erst möglich macht. Wer sich stärker belastet, muss sich besser regenerieren.

Schlaf steht dabei an erster Stelle. Jugendliche Athleten haben einen höheren Schlafbedarf als Gleichaltrige, und unzureichender Schlaf ist mit erhöhtem Verletzungsrisiko assoziiert (Mason et al., 2023). Unser Richtwert für Spieler im Leistungsbetrieb: mindestens 8, besser 9 Stunden.

Bei der Ernährung gelten für Fußballer klare, evidenzbasierte Zahlen statt Diät-Trends: 1,6–2,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, an Spieltagen 6–8 g Kohlenhydrate pro Kilogramm (UEFA-Expertenkonsens: Collins et al., 2021). Dein Körper ist eine Maschine — was du tankst, entscheidet, ob du beschleunigst.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist Athletiktraining im Fußball sinnvoll?

Strukturiertes Athletiktraining mit Zusatzgewichten ist ab etwa 15–16 Jahren sinnvoll, wenn die Grundlagen der Bewegungsqualität sitzen. Sprünge, Sprints und Eigengewichtskraft gehören schon früher ins Training. Unser System richtet sich an Spieler zwischen 16 und 25.

Wie schnell sehe ich Ergebnisse vom Athletiktraining?

Erste neuronale Anpassungen — bessere Ansteuerung, mehr Explosivität — zeigen sich nach 4–8 Wochen konsequenten Trainings. Strukturelle Veränderungen wie Muskelaufbau brauchen Monate. Entscheidend ist die Messung: Wer Ausgangswerte testet, sieht Fortschritt schwarz auf weiß.

Was ist der Unterschied zwischen Athletiktraining und Krafttraining?

Krafttraining ist ein Teil des Athletiktrainings. Athletiktraining umfasst zusätzlich Sprint- und Speedarbeit, Plyometrie, Ausdauer, Beweglichkeit und Belastungssteuerung — abgestimmt auf die Anforderungen des Fußballs, nicht auf Bodybuilding-Ziele.

Kann ich Athletiktraining zusätzlich zum Vereinstraining machen?

Ja — genau dafür ist es gebaut. Entscheidend ist die Abstimmung auf den Spielplan: intensive Einheiten mit Abstand zum Spieltag, kurze Aktivierung davor. 2–4 Zusatzeinheiten pro Woche sind neben Verein und Schule realistisch.

Brauche ich ein Gym für Fußball-Athletiktraining?

Für Maximalkraft ist ein Gym mit Langhantel der effizienteste Weg. Sprint, Plyometrie und viele Kraftgrundlagen funktionieren mit Eigengewicht auf dem Platz. Ein normales Gym reicht vollständig — Spezialequipment ist nicht nötig.

Wie messe ich meinen athletischen Stand als Fußballer?

Über Standardtests: 30-m-Sprint, Sprunghöhe oder Standweitsprung, Yo-Yo-Test, Kraftwerte relativ zum Körpergewicht, Ausfallzeiten. Unser kostenloser Athlete Check übersetzt genau diese Dimensionen in einen Score von 0–100 mit persönlichem Report.

Sollte ich in der Saison Krafttraining machen?

Ja. Wer in der Saison komplett auf Krafttraining verzichtet, verliert messbar an Kraft — und geht geschwächt in die entscheidende Saisonphase. In der Saison gilt: Intensität halten, Umfang reduzieren, Frische managen.

Quellen

  1. Filter, A., Olivares-Jabalera, J., Dos'Santos, T., et al. (2023). High-intensity Actions in Elite Soccer: Current Status and Future Perspectives. International Journal of Sports Medicine, 44(8), 535–544. https://doi.org/10.1055/a-2013-1661
  2. Hasan, S. (2023). Effects of plyometric vs. strength training on strength, sprint, and functional performance in soccer players: a randomized controlled trial. Scientific Reports, 13, 4256. https://doi.org/10.1038/s41598-023-31375-4
  3. Gualtieri, A., Rampinini, E., Dello Iacono, A., & Beato, M. (2023). High-speed running and sprinting in professional adult soccer: Current thresholds definition, match demands and training strategies. A systematic review. Frontiers in Sports and Active Living, 5, 1116293. https://doi.org/10.3389/fspor.2023.1116293
  4. Jiang, Z., Hao, Y., Jin, N., & Li, Y. (2022). A Systematic Review of the Relationship between Workload and Injury Risk of Professional Male Soccer Players. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(20), 13237. https://doi.org/10.3390/ijerph192013237
  5. Mason, L., Connolly, J., Devenney, L. E., Lacey, K., O'Donovan, J., & Doherty, R. (2023). Sleep, Nutrition, and Injury Risk in Adolescent Athletes: A Narrative Review. Nutrients, 15(24), 5101. https://doi.org/10.3390/nu15245101
  6. Collins, J., Maughan, R. J., Gleeson, M., et al. (2021). UEFA expert group statement on nutrition in elite football. British Journal of Sports Medicine, 55(8), 416–442. https://doi.org/10.1136/bjsports-2019-101961
  7. Suchomel, T. J., Nimphius, S., & Stone, M. H. (2016). The Importance of Muscular Strength in Athletic Performance. Sports Medicine, 46(10), 1419–1449. (Grundlagenstudie, ergänzend) https://doi.org/10.1007/s40279-016-0486-0
  8. Phil Hernández: Trainingsmethodik & Masterclass-Skripte La Máquina Evolution (S1: Load Management; S4: The Engine Room), Podcast MÁQUINA 90+ Folgen #001/#002. https://open.spotify.com/show/033KHmvddMvqgnQkQ0dGjM

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