Reicht Mannschaftstraining, um besser zu werden?
Von Phil Hernández · Zuletzt aktualisiert: 05.09.2026
Für die Mannschaft reicht es. Für dich nicht zwingend. In einer Elite-Akademie erreichte die Trainingswoche nur 76 % der Hochgeschwindigkeitsintensität, die im Spiel abgefragt wird — die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die Wochenbelastung die Spielanforderungen bei Hochgeschwindigkeit und Sprint nicht deckt (Kokstejn et al., 2024).
Wichtig für die Ehrlichkeit: In absoluten Metern liegt eine Trainingswoche über einem Spiel. Das Defizit ist die Intensität, nicht die Menge.
Was zusätzliches Athletiktraining bringt, ist über 34 Studien mit 1.396 hochtrainierten Nachwuchsspielern gemessen — jeweils gegen eine Kontrollgruppe, die normal weitertrainierte: moderate Effekte auf Kraft, Sprungkraft, Beschleunigung und Richtungswechsel, kleinere auf die Sprintschnelligkeit (Oliver et al., 2024).
Und der Aufwand ist kleiner, als du denkst: Zwei Zusatzeinheiten pro Woche über sechs Wochen reichten in einer randomisierten Studie für messbar schnellere 10 und 30 Meter (Bianchi et al., 2023).
Was liefert Mannschaftstraining athletisch tatsächlich?
20 Feldspieler einer Elite-Akademie, 17 Pflichtspiele, ein kompletter Mikrozyklus mit GPS gemessen. Die relative Intensität der Trainingswoche lag bei 76 % dessen, was das Spiel im Hochgeschwindigkeitslauf verlangt; am Tag vor dem Spiel bei 56 %. Das Fazit der Autoren ist eindeutig: Die Wochenbelastung erfüllt die Spielanforderungen nicht, besonders nicht bei Hochgeschwindigkeit und Sprint (Kokstejn et al., 2024).
Der ehrliche Zusatz dazu, den man selten liest: In absoluten Zahlen summiert eine Trainingswoche mehr Meter als ein Spiel — beim Hochgeschwindigkeitslauf das 1,8- bis 2,3-Fache, beim Sprint das 1,6- bis 3,5-Fache. Es fehlt also nicht die Menge. Es fehlt die Spitze.
Wie groß dieser Unterschied auf Einheits-Ebene ist, zeigt der Blick auf den Profibereich: Eine durchschnittliche Trainingseinheit enthält rund 156 Meter Hochgeschwindigkeitslauf und 8 Meter Sprint, ein Spiel dagegen 706 Meter und 295 Meter (Gualtieri et al., 2023).
Kein Trainer macht dabei etwas falsch. Eine Mannschaftseinheit muss Taktik, Spielform und einen Kader von 20 Leuten gleichzeitig bedienen. Sie ist ein Kollektivreiz — sie ist nicht dafür gebaut, deine schwächste Qualität zu treffen.
| Kennwert | Spiel | Trainingseinheit |
|---|---|---|
| Hochgeschwindigkeitslauf (>19,8 km/h) | 706 m | 156 m |
| Sprint (>25,1 km/h) | 295 m | 8 m |
Warum passt derselbe Reiz nicht für alle?
Weil dieselbe Einheit bei zwei Spielern nicht dieselbe Belastung ist. Eine Auswertung über 30 Mikrozyklen, 144 Trainingseinheiten und 30 Spiele hat die Tagesbelastung jedes Spielers an dessen eigenem Saison-Spielmaximum normiert. Ergebnis: Stammspieler und Nicht-Stammspieler erreichten an denselben Wochentagen systematisch unterschiedliche relative Lasten, dazu kamen Positionsunterschiede (Sierra-Casas et al., 2026).
Wer am Wochenende 90 Minuten spielt, hat unter der Woche ein anderes Konto als der, der auf der Bank saß — und trainiert trotzdem dasselbe Programm. Das ist keine Kritik am Trainer. Das ist Arithmetik.
Grenze der Studie, die dazugehört: Über die kumulierten Wochenwerte verschwanden die Unterschiede weitgehend. Über sieben Tage gleicht sich vieles aus. Der Unterschied liegt im einzelnen Tag — und damit in der Frage, ob dein härtester Reiz auf einen Tag fällt, an dem du ihn verträgst.

Was bringt zusätzliches Athletiktraining messbar?
Die belastbarste Antwort dazu fasst 34 Studien mit 1.396 hochtrainierten männlichen Nachwuchsspielern zusammen — und zwar jeweils gegen eine aktive Kontrollgruppe, die normal weiter Fußball trainierte. Krafttraining, Plyometrie und die Kombination aus beidem verbesserten Kraft, Squat Jump, Countermovement Jump, horizontale Power, Beschleunigung und Richtungswechsel mit moderaten Effekten (g = 0,73 bis 1,08) und die Sprintschnelligkeit mit kleinen Effekten (g = 0,40 bis 0,59) (Oliver et al., 2024).
Der Vergleich mit einer aktiven Kontrollgruppe ist der Punkt. Gemessen wurde nicht „Training gegen nichts“, sondern „Fußball plus Athletik gegen Fußball allein“. Der Unterschied entsteht also zusätzlich zu dem, was du ohnehin machst.
Für die Wiederholungssprintfähigkeit ist die Kombination der stärkste Weg: Über 13 Studien mit 394 männlichen und 28 weiblichen Teamsportlern schlug kombiniertes Kraft-, Sprung- und Sprinttraining sowohl das Training in nur einem Modus als auch die Kontrollgruppe mit Routinetraining deutlich (Liu et al., 2024).
Und die Gegenstimme, die dazugehört, weil sie von derselben Fachwelt kommt: Eine Meta-Analyse zu Krafttraining im Profifußball hält fest, dass sich für Elitespieler nicht bestätigen lässt, dass Krafttraining allein Kurzsprint und Sprungleistung verbessert — mit kleineren Effekten in der Saison als in der Vorbereitung (Núñez et al., 2021). Isoliertes Bankdrücken ist eben kein Athletikprogramm.
Oliver et al. 2024 · 34 Studien · 1.396 hochtrainierte männliche Nachwuchsspieler · jeweils gegen aktive Kontrollgruppe
Wie viel Zusatzarbeit brauchst du dafür?
Weniger, als die meisten annehmen. In einer randomisierten Studie absolvierten 20 Halbprofis dasselbe Mannschaftstraining; zehn von ihnen zusätzlich zweimal pro Woche kombiniertes Sprung- und Sprinttraining über sechs Wochen. Danach waren sie über 10 Meter und über 30 Meter signifikant schneller und im 505-Richtungswechseltest besser als die Kontrollgruppe (Bianchi et al., 2023).
Die Dosis pro Einheit lag bei 64 bis 70 Sprüngen und 675 bis 738 Sprintmetern, gesteigert um 10 % nach drei Wochen. Das ist keine zweite Karriere. Das sind zwei Blöcke von je 25 bis 30 Minuten.
Zwei Einschränkungen, damit du daraus nicht die falsche Regel machst: Es wurden nur zwei Einheiten pro Woche getestet — dass zwei die Mindest- oder Optimaldosis sind, sagt die Studie nicht. Und es gab keine Nachmessung, also keine Aussage darüber, wie lange der Gewinn hält.
| Test | Ergebnis gegenüber Kontrollgruppe | Effektstärke |
|---|---|---|
| 10 Meter | signifikant besser (p = 0,015) | η² = 0,295 |
| 30 Meter | signifikant besser (p < 0,001) | η² = 0,599 |
| 505-Richtungswechsel | signifikant besser (p = 0,026) | η² = 0,154 |
| Standweitsprung | signifikant besser (p = 0,025) | η² = 0,027 |
Geht das auch mitten in der Saison?
Ja — und mit weniger, als du denkst. 16 männliche Profis absolvierten über zehn Wochen in der Saison rund eine Krafteinheit pro Woche mit etwa sechs Sätzen für die Beinstrecker. Sprintzeit über 30 Meter, Sprunghöhe, Beinkraft und die externe Belastung im Spiel blieben dabei erhalten (Byrkjedal et al., 2023).
Was diese Studie ausdrücklich nicht zeigt: Es gab keine Gruppe ohne Krafttraining. Sie belegt also, dass eine Einheit pro Woche die Leistung hält — nicht, dass sie ohne diese Einheit verloren gegangen wäre.
Praktisch heißt das trotzdem: Das Argument „in der Saison habe ich keine Zeit“ trägt nicht. Eine Einheit hält, was du dir in der Vorbereitung erarbeitet hast.

Wie baust du das neben dem Mannschaftstraining ein?
Vier Schritte. Keiner verlangt, dass du eine Einheit im Verein ausfallen lässt.
- 01
Zwei Zusatzblöcke pro Woche in den Kalender schreiben
WannAn den zwei Tagen mit dem größten Abstand zum SpielDosis25–30 Minuten je Block, 6 Wochen am StückGenau diese Dosis machte in einer randomisierten Studie an 20 Halbprofis den Unterschied: signifikant schneller über 10 und 30 Meter und besser im Richtungswechsel (Bianchi et al., 2023).
- 02
Sprünge und Sprints in denselben Block wie die Kraft legen
WannIn jedem ZusatzblockDosis64–70 Sprünge und 675–738 Sprintmeter pro Einheit, nach 3 Wochen um 10 % steigernDie Dosierung stammt direkt aus derselben Studie. Kombiniertes Kraft-, Sprung- und Sprinttraining schlug über 13 Studien sowohl Einzelmodus- als auch Routinetraining bei der Wiederholungssprintfähigkeit (Liu et al., 2024).
- 03
In der Saison auf eine Einheit runtergehen — aber nicht auf null
WannAb dem ersten PflichtspielDosis1 Krafteinheit pro Woche, rund 6 Sätze für die Beinstrecker16 Profis hielten damit über zehn Wochen Sprint, Sprungkraft, Beinkraft und ihre externe Spielbelastung (Byrkjedal et al., 2023).
- 04
Vorher messen, welche Qualität bei dir die schwächste ist
WannEinmal jetzt, dann alle 3 MonateDosis10-Meter-Sprint, 30-Meter-Sprint, Countermovement Jump, 505-RichtungswechselEin Kollektivreiz trifft deine schwächste Qualität nur zufällig — dieselbe Einheit erzeugt bei Stammspielern und Nicht-Stammspielern systematisch unterschiedliche Belastungen (Sierra-Casas et al., 2026).
Häufige Fragen
Reicht Mannschaftstraining aus, um athletisch besser zu werden?
Für die Mannschaft ja, für den einzelnen Spieler nicht zuverlässig. In einer Elite-Akademie erreichte die Trainingswoche 76 % der Hochgeschwindigkeitsintensität des Spiels; die Autoren halten fest, dass die Wochenbelastung die Spielanforderungen bei Hochgeschwindigkeit und Sprint nicht deckt (Kokstejn et al., 2024).
Wird im Mannschaftstraining zu wenig gelaufen?
Nein — in absoluten Metern summiert eine Trainingswoche mehr als ein Spiel. Was fehlt, ist die Intensität: Eine durchschnittliche Einheit im Profibereich enthält rund 156 Meter Hochgeschwindigkeitslauf und 8 Meter Sprint, ein Spiel 706 und 295 Meter (Gualtieri et al., 2023).
Was bringt zusätzliches Athletiktraining wirklich?
Über 34 Studien mit 1.396 Nachwuchsspielern, jeweils gegen eine Kontrollgruppe mit normalem Fußballtraining: moderate Effekte auf Kraft, Sprungkraft, Beschleunigung und Richtungswechsel (g = 0,73–1,08), kleine auf Sprintschnelligkeit (g = 0,40–0,59) (Oliver et al., 2024).
Wie oft pro Woche muss ich zusätzlich trainieren?
In einer randomisierten Studie reichten zwei Einheiten pro Woche über sechs Wochen für signifikant bessere Werte über 10 und 30 Meter sowie im Richtungswechsel (Bianchi et al., 2023). Ob eine oder drei Einheiten besser wären, wurde dort nicht getestet.
Kann ich in der Saison Krafttraining machen, ohne Leistung zu verlieren?
16 Profis hielten über zehn Wochen mit rund einer Krafteinheit pro Woche Sprint, Sprungkraft, Beinkraft und ihre externe Spielbelastung (Byrkjedal et al., 2023). Eine Gruppe ohne Krafttraining gab es nicht — die Studie belegt Erhalt, nicht Zugewinn.
Macht mich Krafttraining automatisch schneller?
Nicht automatisch. Eine Meta-Analyse zum Profifußball hält fest, dass sich für Elitespieler nicht bestätigen lässt, dass Krafttraining allein Kurzsprint und Sprungleistung verbessert (Núñez et al., 2021). Kombiniert mit Sprüngen und Sprints sind die Effekte deutlich besser belegt.
Warum wirkt dieselbe Einheit bei jedem anders?
Weil die relative Belastung je Spieler unterschiedlich ausfällt. Über 30 Mikrozyklen erreichten Stammspieler und Nicht-Stammspieler an denselben Wochentagen systematisch verschiedene Anteile ihres eigenen Spielmaximums (Sierra-Casas et al., 2026).
Was trainiere ich, wenn ich nur wenig Zeit habe?
Die Kombination aus Kraft, Sprüngen und Sprints in einem Block — sie schlug in einer Auswertung über 13 Studien sowohl Einzelmodus-Training als auch Routinetraining bei der Wiederholungssprintfähigkeit (Liu et al., 2024). Und die schwächste eigene Qualität zuerst.
Quellen
- Kokstejn J, Vampola J, Musalek M, Grobar M, Stastny P. The Ratio between Weekly Training and Match External Physical Loads in U17 Elite Youth Soccer Players: Implications for the Training Process. Journal of Sports Science and Medicine. 2024;23(1):107–113. https://doi.org/10.52082/jssm.2024.107
- Gualtieri A, Rampinini E, Dello Iacono A, Beato M. High-speed running and sprinting in professional adult soccer: Current thresholds definition, match demands and training strategies. A systematic review. Frontiers in Sports and Active Living. 2023;5:1116293. https://doi.org/10.3389/fspor.2023.1116293
- Oliver JL, Ramachandran AK, Singh U, Ramirez-Campillo R, Lloyd RS. The Effects of Strength, Plyometric and Combined Training on Strength, Power and Speed Characteristics in High-Level, Highly Trained Male Youth Soccer Players: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine. 2024;54(3):623–643. https://doi.org/10.1007/s40279-023-01944-8
- Bianchi M, Anderson L, Brownlee TE, Bossi L, Beato M. The effect of two sessions of combined jump and sprint training per week on fitness parameters in soccer players. A randomized controlled trial. Biology of Sport. 2023;40(3):699–706. https://doi.org/10.5114/biolsport.2023.119287
- Liu H, Li R, Zheng W, Ramirez-Campillo R, Sáez de Villarreal E, Zhang M. The Effect of Combined Strength, Plyometric, and Sprint Training on Repeated Sprint Ability in Team-Sport Athletes: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Sports Science and Medicine. 2024;23(4):718–743. https://doi.org/10.52082/jssm.2024.718
- Sierra-Casas A, Castillo D, Clemente FM, Rodríguez-Fernández A. Daily and Accumulated Training-to-Match Load Ratios in Professional Soccer: The Influence of Starting Status and Playing Position Across a Full Competitive Season. Data. 2026;11(4):84. https://doi.org/10.3390/data11040084
- Byrkjedal PT, Thunshelle A, Spencer M, Luteberget LS, Ivarsson A, Vårvik FT, Lindberg K, Bjørnsen T. In-season autoregulation of one weekly strength training session maintains physical and external load match performance in professional male football players. Journal of Sports Sciences. 2023;41(6):536–546. https://doi.org/10.1080/02640414.2023.2227536
- Núñez FJ, Suárez-Arrones L, de Hoyo M, Loturco I. Strength Training in Professional Soccer: Effects on Short-sprint and Jump Performance. International Journal of Sports Medicine. 2021;43(6):485–495. https://doi.org/10.1055/a-1653-7350
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